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Teilnahmepflicht an der Klassenfahrt?

Muss ein/e muslimische/r Schüler/in an einer Klassenfahrt teilnehmen?

Die Teilnahme an Klassenfahrten bleibt in der Regel verpflichtend. So gibt es landesgesetzliche Normen die Schulfahrten ausdrücklich als von der Schulpflicht umfasst deklarieren.1 Ziel einer Schulfahrt ist nicht in erster Linie die Wissensvermittlung, sondern die Gesamterziehung des Schulkindes, vor allem hinsichtlich seines Sozialverhaltens.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts könne eine Befreiung wegen „befürchteter Beeinträchtigungen religiöser Erziehungsvorstellungen“ nur ausnahmsweise in Betracht kommen, da ansonsten die Befreiung „als routinemäßige Option der Konfliktauflösung“ missbraucht werden könnte.3

Davon zu unterscheiden ist jedoch eine begründete Verhinderung der Teilnahme an der Klassenfahrt. So stellte eine muslimische Schülerin in einem Fall vor dem Oberverwaltungsgericht NRW einen Befreiungsantrag, um an einer mehrtägigen Klassenfahrt nicht teilnehmen zu müssen. Ihre Religion hindere sie an der Teilnahme, so die Schülerin. Zum einen könne sie nicht ohne Mahram, also ohne Vater, Onkel oder Bruder eine mehrtägige Reise unternehmen. Zum anderen plage sie eine ständige „Angstsituation“. Die Schülerin gab an, sie hätte ständige Angst, in ihrem Essen könne sich Schweinefleisch befinden, das sie aber aus religiösen Gründen nicht essen dürfe. Ferner befürchte sie, die fünf notwendigen täglichen Gebete samt Waschungen nicht vornehmen zu können. Insgesamt unterläge sie der psychischen Belastung, die religiösen Regeln nicht einhalten zu können. Außerdem habe sie Angst, ihr Kopftuch zu verlieren und/oder sich unbekleidet vor ihren Mitschülerinnen zeigen zu müssen. Überdies befürchte sie auch, dass ihre Mitschüler sie seltsam finden könnten, wenn sie so dusche, wie es ihr Glaube ihr vorschreibe.4 Das Gericht gelangte angesichts dieser Äußerungen schließlich zum Ergebnis, dass die betroffene Schülerin mit ihren Ängsten in einen krankheitsähnlichen Zustand gelangt sei. Ihre Situation sei mit der einer partiell psychisch Behinderten vergleichbar, die behinderungsbedingt nur mit einer Begleitperson reisen könne. Ihre Furcht habe einen Krankheitswert erreicht. Im Ergebnis lehnte das Gericht den Befreiungsantrag ab, aber mit der Begründung, dass diese nicht notwendig sei. Die Schülerin sei bereits begründet verhindert.5

 


[1] So § 55 Abs. 8 S. 1 Bremer SchulG.

[2] BVerwG, Beschluss v. 17.10.1985, Az. 7 B 157/85, JZ 1986, 105; OVG Bremen, Urteil v. 19.11.2013, Az. 1 A 275/10.

[3] BVerwG, Urteil v. 11.09.2013, Az. 6 C 25.12; OVG Bremen, Urteil v. 19.11.2013, Az. 1 A 275/10.

[4] So jedenfalls OVG NRW, Beschluss v. 17.01.2002, Az. 19 B 99/02.

[5] OVG NRW, Beschluss v. 17.01.2002, Az. 19 B 99/02, Rn. 7; kritisch dazu Rixen, Stephan, Krankheit oder Glaubensfreiheit?, in: NJW 2003, S. 1712ff; Vahle, Jürgen, Befreiung aus religiösen Gründen- Anmerkungen zum Beschluss des OVG NRW v. 17.01.2002, Az. 19 B 99/02, in: DVP 2003, S. 509.